Gelbbauchunke
Die Gelbbauchunke unterscheidet sich stark vom klassischen Bild eines ‘Froschs’. Sie ist leicht an ihrer gerundeten Schnauze, den weit oben am Kopf sitzenden, runden Augen, und, wenn sie sich bedroht fühlt, an ihrem gelb-schwarz gefärbten Bauch zu erkennen. Im Freiland kann sie bis zu 15 Jahre alt werden. Dafür hat sie eher wenig Nachwuchs. Das Weibchen kann zwar bis zu 200 Eier legen, oft sind es jedoch weniger als 50. Die Eier werden über den Sommer verteilt abgelegt. So minimiert die Gelbbauchunke das Risiko, dass alle Nachkommen gefressen werden oder vertrocknen. Von Unkenlarven ist bekannt, dass sie im Larvenstadium auch überwintern können.
Unken gelten als wanderfreudig und können neue Gewässer über mehrere Kilometer hinweg besiedeln Doch ihr Weg ist nicht ungefährlich: Nur dort, wo es genügend Verstecke wie Totholzhaufen oder dichtes Gebüsch gibt, findet sie Schutz vor Fressfeinden. Viele ihrer ursprünglichen Lebensräume sind heute weit voneinander entfernt – und die kleinen Tümpel, die einst als Zwischenstation dienten, sind im dicht genutzten Mittelland vielerorts verschwunden. Die Gelbbauchunke ist in der Schweiz eine gefährdete Art, die gezielt gefördert werden muss.
Im Raum Möriken-Wildegg ist die Gelbbauchunke schon länger im Steinbruch ‘Schümel’ in Holderbank präsent. 2022 wurden zum ersten Mal auch Exemplare in Kleinstgewässern entlang der Waldwege im südlichen Chestenbergwald gefunden. Diese Funde dienten als Anlass, um die Vernetzung zwischen den beiden Amphibienlaichgebieten ‘Schümel’ im Norden und der Bünz im Süden mittels Strukturen zu verbessern.
Ökologische Infrastruktur - Vernetzung von Lebensräumen in Möriken-Wildegg
Die intensive Bewirtschaftung im Offenland und im Wald führt dazu, dass unproduktive Strukturen mehr und mehr verschwinden. Kleinstgewässer, ungemähte, krautige Säume, oder temporär nasse Ackerbereiche, sie alle sind für eine effiziente Bewirtschaftung ein Hindernis. Durch den Verlust dieser wichtigen Strukturelemente wird die Ausbreitung der Gelbbauchunke und der Austausch zwischen bestehenden Populationen verunmöglicht. Die Isolierung von Lebensräumen kann dazu führen, dass bestehende Populationen durch Extremereignisse wie lang andauernde Hitzeperioden ausgelöscht werden und keine Wiederbesiedlung mehr stattfinden kann.
Um die Vernetzung im Offenland zu verbessern, werden verschiedene Strukturen geschaffen. Ziel ist es, der Gelbbauchunke, aber auch Insekten, Kleinsäugern und Vögeln, Kleinstlebensräume, Unterschlupf und Nahrungsangebot zu bieten. Daher werden Tümpel gegraben, Hecken gepflanzt, Stein- und Totholzhaufen errichtet und Waldränder aufgelichtet. Diese Strukturen wirken wie Trittsteine, entlang welcher sich die Tiere im Offenland und Wald fortbewegen können.
Aufwertungsmassnahmen in der Gemeinde
Gestufte Waldränder: Die häufig dichten und undurchlässigen Waldränder wurden durch Ausholzen buchtig aufgelichtet. Dabei wurden dornenreiche, früchtetragende Sträucher gezielt gefördert. Ein Teil des anfallenden Totholzes wurde stehen- oder liegengelassen. Es ist für viele Insektenarten unerlässlich. Durch die Verzahnung von Wald und Offenland dienen gestufte Waldränder Arten beider Lebensräume als Verbreitungstrittsteine.
Tümpel: Entlang der Waldwege im Chestenbergwald, beim Schloss Wildegg, in der neuen Hecke zwischen Chestenberg und Birch und entlang des Waldrands Birch wurden zahlreiche Tümpel geschaffen. Wenn der Untergrund lehmig ist, oder der Grundwasserspiegel nahe der Oberfläche, reicht es, nach dem Aushub von ca. 60 cm Boden den Untergrund zu verdichten, damit das Wasser eine Weile in den Tümpeln verbleibt. Es ist aber durchaus erwünscht, dass die Tümpel gelegentlich austrocknen, da genau dieser Pioniercharakter für Arten wie der Gelbbauchunke besonders wichtig ist.
Hecken: Hecken wirken wie eine Autobahn für die Natur im intensiv bewirtschafteten Offenland. Sie bieten die für die Ausbreitung notwendigen Strukturen, welche Unterschlupf und Schutz bieten.
Die Hecke im Neufeld verbindet die beiden Waldareale am Chestenberg und im Birch. Die Hecke besteht aus Sträuchern wie Weissdorn, Schwarzdorn, Gemeiner Schneeball, Pfaffenhütchen und Wildrosenarten. Sie wurde weiter durch Totholzhaufen, Steinlinsen und Tümpel ergänzt. Dadurch erfüllt die Hecke die Habitatsansprüche unterschiedlichster Artengruppen wie Amphibien, Kleinsäugern und verschiedenen Vogelarten, welche hier Futterplätze und Unterschlupf finden.
Arten, die von den Massnahmen profitieren
Neben der Gelbbauchunke profitieren auch andere im Gebiet vorkommende Arten von den Aufwertungen. So findet zum Beispiel der Feldhase in einem strukturierten, lichten Waldrand einen guten Alternativlebensraum. Auch der Iltis findet Schutz und Beutetiere. Die blühenden und früchtetragenden Sträucher dienen zahlreichen Insekten und Vögeln als Nahrung und Unterschlupf. Fledermäuse nutzen den neugeschaffenen, strukturreichen Luftraum als Jagdgebiet. Mit dem gezielten Belassen von Totholz werden neben höhlenbrütenden Vögeln und Fledermäusen auch Pracht- und Bockkäfer gefördert. Und nicht zuletzt findet das Reh in strukturreichen Waldrändern Deckung und kann so ungestört und geschützt der Äsung nachgehen.
Ausführung und Unterstützung
Die Aufwertungen in der Gemeinde Möriken-Wildegg wurden in Zusammenarbeit mit Pro Natura ‘Aktion Spechte & Co. AG/BL’ und dem Forstbetrieb Birretholz erarbeitet und erstellt. Dieses Projekt kam dank der grosszügigen Unterstützung des Kantons Aargau, der gemeinnützigen Stiftung ‘Lebensraum Aargau’ der Kantonalbank Aargau, der Stiftung Bruno und Gisèle Maestri-Flück für Naturschutz und von Pro Natura zustande.